Das Wäscherschloß, DIE Stauferburg mit renoviertem Museum!

Das Museum im Wäscherschloß in Wäschenbeuren im neuen mittelalterlich-schönem Gewand mit ganz vielen historischen Textilien von Almerlin

Almerlin-Blog_Museum_WaescherschlossIm März begann die Zusammenarbeit mit Frau Utz bei einem sehr spannenden Projekt: der Renovierung der Museumsräume im Wäscherschloß in Wäschenbeuren. Es gilt als DIE Stauferburg schlechthin, hat eine tolle Lage (ohne Moderne), sieht wirklich richtig mittelalterlich aus…bis man es betrat. Jedenfalls vor dem ersten Mai 2018.
Wer in den letzten Jahren mal im Wäscherschloß war, weiß, was ich meine. Die Ausstattung der Museumsräume war einfach nur dilettantisch. Selbst bei einem hochmotivierten Burgenfan wäre da keine mittelalterliche Stimmung aufgekommen oder er wäre in eine Staufer-Burg-Atmosphäre eingetaucht, erst Recht nicht bei jedem geschichtsinteressierten historischen Darsteller. Es wirkte alles so…lieblos. Im Burginnenhof die Burgschänke hatte mehr Atmosphäre. Da ließ man die Museumsräume lieber schnell hinter sich.

..Foto 4 Rüstkammer: unter dem Gambeson steckt übrigens ein Kissen von mir aus dem Wollbrokat mit den Greifenmedaillons als Wappenrock…
Nun muss ich dazu sagen, die Burg war etliche Jahre verpachtet und für die Pächter war es natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, die Museumsräume umzugestalten. Es erwies sich wohl ebenso als unmöglich, die Burg als Pächter bewirtschaften zu können. In der Karfunkel Ausgabe Nr. 32 hatte ich das erste Mal vom Wäscherschloß gelesen und eine Luftbildaufnahme der Burg gesehen (klein und kompakt 😉 ). 2011 war ich dann auf der Burg und hatte danach den Museumsshop mehrfach beliefert. Von dem Besuch ist mir bis heute in Erinnerung geblieben, wie die Pächterin beim Blick oben von der Burgmauer einen Ort in der Ferne zeigt und erzählte, dass sie allein 2000 € Stromkosten für die Riesenscheinwerfer hätten, die die Burg nachts anstrahlen, nur weil der Bpürgermeister dieses Ortes den Blick auf die erleuchtete Burg so schön fände…Allerdings hat er sich nicht an den Stromkosten beteiligt 😉 . Seit 2012 habe ich nichts mehr von der Burg gehört – bis März 2018 :-).

Frau Utz hatte einen Stoff auf meiner Website entdeckt Vogelpaare 1250, der perfekt zur Thematik der Staufer passt,
Die Epoche der Staufer war von 1056 bis 1268, die bekanntesten Staufer waren Der Kaiser Friedrich I. Barbarossa (um 1122 bis 1190) und Kaiser Friedrich II. (1194-1250).
Im Jahr 1137 wurde mit Konrad III. 1138 erstmals ein Staufer zum römisch-deutschen König gewählt. Von Kaiser Friedrich II. stammt unter anderem das berühmte Buch: De arte venandi cum avibus („Über die Kunst mit Vögeln zu jagen“), entstanden in Süditalien zwischen 1258 und 1266. Dadurch werden die Staufer auch heute noch mit der Falknerei verbunden und der Stoff mit den Vogelpaaren passt also. Der messinggelbe Hintergrund findet sich im Wappen der Stauferkönige wieder – perfekt! Solche Muster mit Vogelpaaren waren im mittelalterlichen Europa vom 12. bis zum 14. Jahrhundert sehr beliebt. Ich habe eine Abbildung eines Originalstoffes in der „Gewebesammlung des Kaiserlichen Kunstgewerbemuseums Berlin Band 4“ gefunden, unser Stoff ist eine beinahe 100%ige Musterreplik.
Der Stoff war für das Bett in der Kemenate gedacht und wurde dort als Bettüberwurf und Einfassung des Himmels verarbeitet. Der Altar wurde üppig mit einem weiteren Baumwoll-Leinendamast verkleidet: dem schwarz-weinroten Granatapfel Für die große, jetzt wirklich einladend dekorierte, gedeckte Tafel fand ein weiterer Stoff aus dem Lagerfundus Verwendung: der Weinrankendamast. Für zwei üppige Polster auf dem Bett fand er auch Verwendung.
Die Wand hinter der Tafel ziert jetzt einer unserer schönsten mittelalterlichen Wandteppiche, wie ich finde: „Chevaliers“. Nun handelt es sich hierbei nicht um eine Replik eines mittelalterlichen Wandteppichs, sondern um die gewebte Variante eines Freskos aus der Zeit. Aber ich muss für alle Authentizitäts-Kritiker an dieser Stelle einmal darauf hinweisen, dass für die ganze Neugestaltung nur wenige Wochen Zeit waren und natürlich auch kein unbegrenztes Budget zur Verfügung stand. Ein Originalmotiv aus der Zeit nachweben zu lassen, ist natürlich möglich, dauert aber einige Wochen und liegt preislich im 5stelligen Bereich, statt bei 409,00 € wie „Chevaliers“. In der Kürze der Zeit und mit den zur Verfügung stehenden Mitteln hat man wirklich „gezaubert“, wie ich finde und eine Burgatmospahäre geschaffen, aber auch die Schönheit und Kunstfertigkeit des Mittelalters gezeigt. Ich finde, jetzt lohnt ein Besuch allemal!

Der Wandteppich ist übrigens auch als zwei Einzelmotive erhältlich: Ritter mit Adlerwappen/ Vogelwappen und Ritter mit Wappen rot-blau

Eine Antwort von Das Wäscherschloß, DIE Stauferburg mit renoviertem Museum!

  1. Ich habe – angeregt durch diesen Post – das Wäscherschloss besucht, um mir die neue Ausstellung anzuschauen. Ich war die letzten Jahre immer wieder auf dem Wäscherschloss, denn es gab immer interessante Veranstaltungen: Konzerte, Handwerksvorführungen, Burgbelebungen, mittelalterliche Spielstraßen für Kinder … bis hin zur Whiskyverkostung, und bin ein bisschen erstaunt über Ihre schlechte Bewertung.
    Die neue Ausstellung mit den Wandbehängen gefällt mir recht gut, nur finde ich es schade, dass alles so großräumig abgesperrt ist, man fühlt sich sehr auf Distanz. Die ausgestellten Exponate sind ja keine Antiquitäten und ein bisschen mehr Nähe und Anfassen-Können fände ich schöner. Außerdem wurde sie ziemlich verkleinert, ich vermisse die vielen Kleinigkeiten, die die frühere Ausstellung so lebendig gemacht hat, z.B. die Wollverarbeitung mit den Färbepflanzen und vieles andere.
    Im Hof gibt es leider keine Sitzgelegenheit mehr, vor allem für Wanderer und Fahrradfahrer eine Enttäuschung, und dass es nur noch Kaffee aus dem Automat mit Pappbecher gibt – und keine leckeren Kuchen mehr – finde ich für eine mittelalterliche Burg eigentlich schade.
    Bleibt zu hoffen, dass nächstes Jahr wieder das gewohnte Programm stattfindet, vor allem die Konzerte und Burgbelebungen durch mittelalterliche Gruppen, nicht dass das Wäscherschloss als reines Mini-Museum im Dornröschenschlaf versinkt.

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