William Morris Wandteppiche und Stoffe – Mittelalter im Jugendstil Teil 2

William Morris Wandteppiche und Stoffe – Kunst und Handwerk des gotischen Mittelalters interpretiert im Jugendstil 2

William Morris Entwurf Akanthus 1874 heute im Victoria & Albert Museum
William Morris Entwurf Akanthus 1874 heute im Victoria & Albert Museum

William Morris (1834-1896)

„Meine Arbeit ist die Verkörperung der Träume.“

In England ist Morris heute vor allem für seine Tapetenmuster bekannt. Er steht für mich für üppige flächendeckende florale Jugendstildesigns, in denen oft seine Vorliebe für mittelalterliche Stoffmuster erkennbar ist. Aber immer gab er ihnen einen ganz eigenen Ausdruck. Stoffe und Tapeten mit seinen Entwürfen werden auch heute noch in England hergestellt – die Weberei wurde 1940 von der Firma Sanderson aufgekauft, die aber zuallererst ihre eigenen Entwürfe vermarkten wollte. 2003 erfolgte ein weiterer Verkauf und seither werden alle zwei Jahre neue Tapetenkollektionen mit Designs von William Morris herausgebracht und nach und nach mehr Stoffentwürfe produziert.

2016-02_William_Morris_Sessel_Teppich_Vogel_1870-1880
Sessel mit „The Bird“ Teppich 1870-1880
Er verwendte Seide, Wolle und Mohair und erzielte spektakuläre Ergebnisse; manche Muster wurden auch mit Goldfäden verziert. Bei den meisten Stoffen handelte es sich um Jacquards aus Wolle, die sehr beliebt waren für Vorhänge und zur Bepannung von Wänden, weniger geeignet als Polsterstoffe (damals wurde viel Chintz verwendet).
Der „The Bird“ Stoff, ursprünglich von Morris im Jahre 1877 zum Aufhängen in Kelmscott Haus entwickelt, war ein kompliziertes, reversibles Doppelgewebe, aufgebaut aus zwei Kettfäden und zwei Schüssen.“Peacock & Dragon“, entwickelt im gleichen Jahr, war ein über Englands Grenzen hinaus beliebtes Design, das sehr eng an spätmittelalterliche Stoffe angelehnt war.
Die teilweise automatisierten Jaquardwebstühle wurden von Hand betätigt, große Kommissionen mussten jedoch an Unternehmen mit dampfbetriebenen Webstühlen ausgelagert werden, um die Aufträge schnell erfüllen können.

William_Morris_Akanthus_and_Wine_Original_1878
William Morris „Akanthus and Wine“ Original 1878

1878 installierte Morris einen Wandteppich Webstuhl in seinem Schlafzimmer in Kelmscott Haus und begab sich an das, was er als „die Edelste aller Webkünste“ nannte. Nach dem Studium der antiken Textilien am South Kensington Museum, webte er als erstes Projekt „Acanthus und Vine“ von Hand, welches 516 Stunden in Anspruch nahm. Das Motiv ist heute als gewebter Wandteppich erhältlich. Er gründete die Gobelin-Weberei in Merton Abbey Mills, die ausschließlich natürlich gefärbte Garne verwendete, und ernannte John Henry Dearle (1860-1932) zum Produktionsleiter.
Große Wandteppiche wurden oft von Webb, Dearle und Morris in Zusammenarbeit entwickelt, und von ihren eigenen erfahrenen Webern auf Webstühlen ausgeführt, die Morris in Anlehnung an die flämischen Webstile gebaut hatte. Neben großformatigen Wandteppichen wie „Forest Tapestry“ angefertigt für den griechischen Kaufmann und Mäzen, Alexander Ionides oder der Serie „Die Suche nach dem Heiligen Gral“ wurden kleinere und kostengünstige Wandteppiche oder Kissen für den Ausstellungsraum und die Agenten in Übersee gefertigt. Almerlin hat folgende Motive als Dekokissen:

Morris und seine jüngere Tochter Mary hatten engen Kontakt zu Eleanor Marx und Friedrich Engels und gehörten zu den ersten britischen Sozialisten. Eine Theorie, die sich mittlerweile als …Theorie erwiesen hat….

Er glaubte fest, dass die Gesellschaft eine dritte Wahl hätte. Für Morris bestand die Alternative nicht zwischen einer großartigen Aristokratie und einer langweiligen Demokratie. Er erkannte, dass der Handwerker überall auf der Welt unterjocht wird, dass er im Verschwinden begriffen ist (kommt Ihnen das bekannt vor? Hochaktuell, oder?) und er sah hierin den Grund, warum der seiner Möglichkeit der Kreativität beraubte normale Mensch mittelmäßig geworden war. Morris sehnte sich nach einer Gesellschaft, die den Handwerker achtete und in der die Masse der Menschen wünschte, Handwerker zu sein.

Morris wünschte sich nicht nur Kunst und Schönheit im Lebensalltag, sondern auch eine Gesellschaft und Gemeinschaft von Künstlern und Handwerkern, in der jeder zu seinem Vergnügen arbeitete, weil ihm die Arbeit Spaß macht. Morris forderte, daß Menschen nur Arbeit verrichten sollten, die es wert war, getan zu werden. Morris sah den menschlichen Geist in allen von Menschen hergestellten Dingen – gute odr schlechte Arbeit, Leidenschaft, lustloses Ausführen. In der Realität war es aber eben so, dass sich die qualitativ hochwertigen und handwerklich hergestellten Produkte seiner Firma nur vermögende Kunden leisten konnten. Qualität und Schönheit eben doch eine Frage des Geldes, die Mehrheit kann sich nur preiswerte, industriell geferigte Dinge leisten. Ist das heute so anders?

William Morris hatte das große Glück, aufgrund seiner finanziellen Unabhängigkeit seine Träume leben zu können. Er schuf wunderschöne Textilien, die auch heute noch Kunst und Schönheit in unseren Alltag bringen und uns ans „schöne“ Mittelalter denken lassen.

Ich habe derzeit 4 wunderschöne Stoffe von William Morris im Programm, die meisten heute erhältlichen Stoffe sind Drucke, diese Muster sind alle gewebt:
„Drachen und Pfauen“ (Peacock und Dragon), ein wahrhaft mittelalterliches Muster, „Augenblüte“ (Pimpernel), dieses Muster verwendete Morris mehrfarbig als Vorhang im Kelmscott House und es ist seit kurzem in diesen Farben (Blautöne) als Druck erhältlich, „Jasmin“(zunächst ein Tapetenentwurf) und „Akanthus“ (Ebenfalls zunächst ein Tapetenentwurf siehe Zeichnung. Auch Morris ließ viele Designs drucken, aber die heute erhältliche Qualität hat mich nicht ganz überzeugt; die Muster sind wunderschön.

Ich habe bei meinen Recherchen das Buch „William Morris“ von Arthur Clutton-Brock gelesen und darin wurde der Mensch, der Künstler, der Handwerker so plastisch und mit soviel Enthusiasmus beschrieben, dass es mich noch viel mehr für diesen faszinierenden Menschen eingenommen hat. Vieles spricht mir aus der Seele und vieles spiegelt Missstände unserer heutigen Gesellschaft wider. Qualität statt Quantität und Prioritäten setzen und ganz bewusst kaufen statt konsumieren – genau überlegen, was meine Arbeitszeit wert ist, was ich brauche, was mich glücklich macht und wofür ich meine Zeit „ausgebe“….das Umgeben mit wenigen schönen und handwerklich hochwertigen Dingen, die unsere menschliche Kunstfertigkeit widerspiegeln, statt vielen Billigprodukten, die letztlich nur das Gewinnstreben des Anbieters darstellen…ich kann nur sagen, dass es einfach Spaß macht, mit hochwertigen Textilien zu arbeiten und viel zufriedener und motivierter. Aus hochwertigen Materialien etwas qualitativ Bestmögliches zu fertigen, das macht zufrieden, beschwingt und man geht mit dem tollen Gefühl in die Freizeit, keine Zeit verschwendet zu haben.

Zum Abschluss ein Zitat aus dem Buch:
„Niemand, der Morris und seine Lebensart kannte, wollte es ihm nicht gleich tun.“

Sollten Sie ein bestimmtes Muster suchen, auch Tapeten, fragen Sie gern nach – ich bestelle es gern für Sie!
Hier noch einige Muster als Drucke:

William_Morris_Tulip_and_Rose 1876
„Tulip and Rose“ Morris erster Entwurf 1876 für einen gewebten Wollstoff
William_Morris_Henry_Dearle_Blackthorn_1892
„Blackthorn“ Entwurf Henry Dearle für Morris Co.
"Granada" ursprünglich ein Seidensamt-brokat, Entwurf 1884
„Granada“ ursprünglich ein Seidensamt-brokat, Entwurf 1884
William_Morris_Voysey_kl
„Voysey“ inspiriert von dem Designer und Architekt Charles Voysey

William Morris – Kunst und Handwerk des Mittelalters im Jugendstil

William Morris Wandteppiche und Stoffe – Kunst und Handwerk des gotischen Mittelalters interpretiert im Jugendstil Teil 1 William Morris (1834-1896) „Meine Arbeit ist die Verkörperung der Träume.“ „Die Kunst ist der Ausdruck der Freude des Menschen an der Arbeit.“ „Dass den Maschinen erlaubt wird, unsere Meister zu sein und nicht unsere Diener, das ist es,…